Rundbrief 31 5.10.2017
Informationen aus der Arbeit der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH

- Integratives Angebot für die Trauerbegleitausbildung

- Spiritualität und Seelsorge in der Hospizarbeit - unser neues Lehrgangskonzept mit Dr. Eugen Drewermann

- Hospizarbeit in weiterführenden Schulen; das Bundes-Projekt „Hospiz macht Schule weiter...“

- Das NEUE „Hospiz macht Schule“ - Entwicklungsstand und Forschungsentwicklung

- Zwischenstand aus der neuen Förderprogrammatik der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
 

1. Integratives Angebot für die Trauerbegleitausbildung.

Schon seit Jahren steht die Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH in Aktivitäten zur Entwicklung eines Ausbildungsangebotes in der Trauerbegleitung, das die tatsächlichen Erfordernisse bei diesem Engagement, wie es Hospizdienste fokussieren können, genauer in den Blick zu nehmen hilft. Im intensiven Austausch mit unserem dazu begründeten Fachteam bieten wir hier eine integrative Trauerbegleitausbildung an, die von Hospizdiensten modular und in Abstimmung mit einem individuell definierten Tätigkeitskonzept vor Ort genutzt werden kann.

Zur besseren Orientierung haben wir jetzt „Empfehlungen für eine Ausbildungsentscheidung zur Trauerbegleitung in der Hospizbewegung - Hintergrundinformationen und Begriffsklärungen“ erarbeitet. Sie können neben dem integrativen Trauerbegleitangebot im Veranstaltungsbereich unserer website eingesehen werden:

!!! Informationen/ Anmeldung hier

2. Spiritualität und Seelsorge in der Hospizarbeit - unser neues Lehrgangskonzept mit Dr. Eugen Drewermann

Schon länger befassen wir uns mit der offensichtlichen Schwäche der sog. „4. Säule der Hospizarbeit“ gegenüber den Säulen Pflege, Medizin und Psychosozialität. Natürlich hängt diese Schwäche der spirituell-seelsorglichen Begleitung mit der gesamtgesellschaftlichen Gemengelage zusammen, die zwischen Religion und Kirchen einerseits und einem „natürlichen“ Fundament der individuellen Lebensplanung und Sinngebung andererseits aufgespannt scheint und zu der wir genau deshalb innerhalb der Hospizbewegung offenbar nur sehr schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen vermögen. Hingen wir bisher noch viel zu stark an unseren Aufstellungen zur spirituell-seelsorglichen Begleitung im Rahmen der curricularen Entwicklungen des Palliative-Care-Curriculums fest, so haben wir jetzt in diesen Fragen mit einem neu entwickelten Lehrgangskonzept einen völlig neuen Aufschlag gemacht und freuen uns sehr, für das Jahr 2018 Ihnen diesen „Lehr-Gang“ gemeinsam mit Dr. Eugen Drewermann anbieten zu können. Wir wollen hier zukünftig - immer noch von den Ergebnissen unserer Jubiläumsfachtagung aus 2016 zehrend - ganz neue Wege gehen und arbeiten damit zukünftig intensiver zu den viel zu lange vergessenen Fragen des „Geistlichen Lebens in der Hospiz Begleit-Begegnung“. Wer näheres dazu erfahren und einsehen will:

!!! Informationen/ Anmeldung hier

3. Hospizarbeit in weiterführenden Schulen; das Bundes-Projekt „Hospiz macht Schule weiter...“

Die Hospiz-macht-Schule-Projekte leisten bundesweit eine wichtige Arbeit der Hospizvereine in einem zentralen Bereich der kulturellen Bildung unserer Gesellschaft. „Hospiz macht Schule“ für die Grundschulen verfolgt dabei jedoch einen völlig anderen Ansatz als das Projekt „Hospiz macht Schule weiter...“ für die weiterführenden Schulen. Arbeiten die Hospizvereine in den Grundschulen in der Unterrichtsform einer 5-tägigen Projektwoche, so geht es im Projekt „Hospiz macht Schule weiter...“ darum, dass – begleitet und geleitet durch ein kleines Haupt-/ Ehrenamts-Team des Hospizvereins in den weiterführenden Schulen der Region eine Kulturentwicklung stattfindet, die zur Etablierung eines Selbsthilfeteams der Schule für alle zukünftigen Ereignisse von Tod, Sterben und Trauer führt. Hierbei ist die Weiterbildung der Lehrenden ein wesentlicher Arbeitsschritt.

Hinter dem Konzept steht der Grundgedanke, dass es in den weiterführenden Schulen kein „Einfliegen“ von sog. „Spezialisten“ bei solchem Erleben, das in jeder Schule faktisch vorkommt, braucht. Weil hier genügend Menschen in Gemeinschaft sind, können sie lernen, sich gegenseitig zu stützen und selber zu helfen. Es braucht zuerst einmal eine eigene Schul-Kultur, die in dem Projekt mit Hilfe der Hospiz-Kultur in einem gemeinsamen Prozess in der Schule entwickelt werden kann. Hierzu bieten wir an der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH für 2018 den 10. Ausbildungsgang in 2 Blöcken an.

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4. Das NEUE „Hospiz macht Schule“ - Entwicklungsstand und Forschungsentwicklung

Das Bundesprojekt „Hospiz macht Schule“ ist durch die Arbeit unserer bundesweit einheitlich arbeitenden Koordinierungsstelle seit 2007/ 2008 beständig weiter gewachsen. Bei der diesjährigen Fachtagung „Hospiz macht Schule“ am 1.6.2017 in Essen konnten wir gemeinsam mit allen anwesenden Aktiven im Bundesprojekt die letzten Details für das NEUE „Hospiz macht Schule“ abstimmen. Aus den Anfängen des Ausgangs-Curriculums 2005/ 2006 heraus haben wir von 2007 an bis heute über die zentrale Koordinationsstelle der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH Jahr für Jahr alle eingehenden Rückmeldungen aus den Erfahrungen der Hospiz-Teams mit den durchgeführten Wochen der beteiligten Grundschulen immer weiter ausgewertet.

Mit diesen Erfahrungsschatz konnten wir beständig über jetzt 10 Jahre den bundesweit einheitlichen Ausbildungsstandard für „Hospiz macht Schule“ entwickeln, in dem alle Ehrenamtlichen ausgebildet sein müssen, um:
a. die Grundlagen und Ansatzpunkte des Projektes gut und auch wirkungsvoll für die eigene Praxis zu verstehen und einordnen zu können,
b. die Projektwoche mit den Kindern in den Grundschulen auch tatsächlich sicher durchführen zu können,
c. das Know-how mit zu bekommen, das benötigt wird, um das Projekt auch tatsächlich erfolgreich und vor allem kräftesparend in der eigenen Region installieren zu können,
d. teilzunehmen an dem mittlerweile großen Netzwerk von über 2000 Ehrenamtlichen, die alle auf der Basis des bundesweit einheitlichen Projektstandards der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH für das Bundesprojekt ausgebildet sind und
e. das Zertifikat der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH als Nachweis zu erhalten, die evaluiert einheitliche Ausbildung für die Durchführung des Projektes auch berechtigt absolviert zu haben.

Mit der Entwicklung dieses umfangreichen Projektwissens an der Koordinationsstelle der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH sind nach den 10 Jahren Projektentwicklung viele Änderungen, Neuerungen, Ergänzungen und Streichungen im Bundesprojekt entstanden. Diese Neufassung soll, wie in Essen Anfang Juni besprochen, zum Jahresende für alle vorliegen. Die alte Fassung des gleichnamigem Curriculums, der Publikation in Buchform und des Projektflyers werden damit in unserem Bundesprojekt hinfällig.

Selbstverständlich bilden wir nur an der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH für die Arbeit mit dem Projekt „Hospiz macht Schule“ schon seit längerem und stets auf der aktuellen Höhe der Projektweiterentwicklung die Ehrenamtlichen aus.

Im letzten Jahr hat die 89. Bundesgesundheitsminsterkonferenz sich mit unserem Bundesprojekt „Hospiz macht Schule befasst und eine entsprechende Empfehlung an alle Bildungs- und Kultusministerien in Deutschland ausgesprochen:

vgl. Beschlussfassung mit Begründung zum download hier !!!

Im Zuge dieser Entwicklung hatte schon Ende letzten Jahres eine Forschungsentwicklung an der Bundes-Hopsiz-Akademie gGmbH begonnen, zu der wir jetzt einen wissenschaftlichen Lenkungskreis gegründet haben und mit der wir zukünftig alle gesellschaftlichen Fragestellungen, die sich aus den weitreichenden Projekterfahrungen des Bundesprojekt ergeben, im Sinne einer zukünftigen Hospizforschung genauer erforschen wollen.

Für alle Frage rund um das Bundesprojekt „Hospiz macht Schule“ sind wir über die zentrale Projektnummer unserer Koordinationsstelle 0151/ 55 79 81 57 oder auch per Mail unter info@hospizmachtschule.de ansprechbar.

5. Zwischenstand aus der neuen Förderprogrammatik der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH

Die Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH arbeitet beständig an Fragestellungen, in denen die weitere kulturelle Entwicklung und der gesellschaftliche Aufbau der Hospizbewegung in Deutschland Ziel und Zweck ist. Als eine gemeinnützige Einrichtung innerhalb der Hospizbewegung sieht sie sich dabei eingebunden in die Gemeinwohlentwicklung einer Gesellschaft als Ganzes. Angebote an Projekten, Bildungsvorhaben und Publikationen, die die Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH dabei voranbringen möchte, konzentrieren sich völlig auf die lebensbejahende Kultur einer Hospizbewegung in Deutschland, die in einem bürgergemeinschaftlichen Sinne für Menschen an der Grenze ihres Lebens da sein und dadurch mitten im Leben an einer gesellschaftlichen Zukunft für alle arbeiten will. Die Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse für sterbende Menschen kann für die Hospizbewegung nicht abgetrennt sein von einem gemeinnützig gemeinschaftlichen Engagement der Menschen, die dafür auch aktiv etwas tun und leisten wollen – einfach so, vielleicht nur weil es selber Freude macht, und ohne andere Ziele damit verfolgen zu wollen.

Die Arbeit der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH orientiert sich an zukünftig absehbaren Entwicklungsbedarfen der Hospizbewegung in Deutschland. Hierzu stellen wir im intensiven Dialog mit vielen, die langjährig in der gesellschaftlichen Aufbauarbeit der Hospizbewegung involviert waren und sind, eine stets über 5 Jahre anvisierte Förderprogrammatik auf. Für den Zeitraum von 2011 bis 2016 haben wir so den Begriff der „Bürgergemeinschaftlichkeit“ formuliert, um damit das Zukunftspotential für die Hospizbewegung zum Mittelpunkt des Förderkonzeptes der Bundes-Hospiz-Akademie gGmbH zu machen.

Im ersten Halbjahr 2017 haben wir die Eckbausteine für die nächsten 5 Jahre unserer Förderarbeit zusammengetragen und hoffen bis zum Jahresende damit das neue Förderprogramm für den Zeitraum von 2017 bis 2022 ausformulieren zu können.

Hier möchten wir Ihnen deshalb lediglich einen kurzen Einblick geben in den Kernaspekt unserer breiten Dialogentwicklung dazu:

Aus vielen Diskussionen zum Entwicklungsstand der Hospizbewegung in Deutschland haben wir zentral den Eindruck mitgenommen, dass das sozio-kulturelle Profil der Hospizbewegung als einer gesamtgesellschaftlichen Bürgerbewegung weiterhin in vielen Vereinen und Initiativen vor Ort lebbar erfahrbar ist und auch das ehrenamtliche Engagement wirksam trägt. Auffällig ist jedoch die stake Stagnation der ambulanten Hospizgründungen, die sicherlich vor dem auffälligen Hintergrund zu sehen ist, das es bei stationären Einrichtungen zu einem regelrechten Gründungswahn gekommen zu sein scheint. Zu vermuten ist, dass dieses n.a. durch die Auswirkungen des „neuen“ Hospiz- und Palliativgesetzes verursacht wird. Wir scheinen innerhalb der Hospizbewegung auf Ansätze einer Institutionalisierung zu schauen, die Gefahr läuft, den alten Kernsatz von „ambulant vor stationär“ zu unterminieren. Auffällig ist aber auch, dass es neben der weiterhin auch tatsächlich „hospiz-bewegten und -bewegenden“ Arbeit vor Ort im Rahmen dieser Institutionalisierung zu der Ausbildung von Verwaltungsebenen politischer Art kommt, in der immer mehr die Regelfinanzierung und vor allem das Controlling der Dienste zum Zielpunkt aller Aktivitäten genommen wird. Controlling ist hier durchaus in einem betriebswirtschaftlichen Managementverständnis gemeint, das - liest man da einige neuere Publikationen aus diesen jungen politischen Verwaltungskreisen genauer - „Hospiz“ als eine „Unternehmung“ versteht. Explizit soll hier das Empathische aus der vor allem in den ambulanten Hospizdiensten geleisteten Aufbauarbeit der Hospizbewegung in einem Gegensatz zu dem Erfordernis der Beschaffung finanzieller Mittel stehen. Selbst „Bestreben“ wie die Definition von Bedarfe im Rahmen der Trauerbegleitung als mit den Krankenkassen abrechenbaren Behandlungsleistungen werden da im Kontext von Hospizarbeit als Zielpunkt genommen. Es zeichnet sich hier eine Entwicklung ab, mit der die Hospizbewegung als Bürgerbewegung immer mehr unter die Fittiche politischer Verwaltungsstrukturen gerät. Das Empathische und damit der Gemeinnützigkeits- und Ehrenamtsansatz der deutschen Hospizbewegung schwindet und verblasst - neben der ambulanten Bewegung verliert letztlich die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen, um die es in der Hospizbewegung gehen muss, an Gewicht und Beachtung. Etwas lakonisch ausgesagt: Die Hospizbewegung verliert mit ihrem Herzen auch ihren Motor! Ein neuer Motor bietet sich an - die Regelfinanzierung der Unternehmensberatung.

Derzeit sieht es in unserer breiten Förderdiskussion deshalb sehr danach aus, dass wir für die kommenden 5 Jahre neben das Zukunftspotential der „Bürgergemeinschaftlichkeit“ jetzt die „gesellschaftliche Teilhabe“ und die „Gemeinnützigkeitsorientierung“ in das Zentrum unserer Hospizentwicklung setzen.

Wir laden Sie hier wieder gerne ein, uns unter folgender Mailadresse (oder gerne auch postalisch) Ihre Meinung dazu mitzuteilen: info@bundes-hospiz-akademie.de

Informationen zu allen Projekt- und Ausbildungsansätzen sind auch über die Projekthotline 0151/ 55 79 81 57 erhältlich.

Wir wünschen allen eine gute herbstliche Zeit
Ihr

Dr. Paul Timmermanns
(Geschäftsführung)

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